Was ist zweckmäßiger, TYPO3 shared für mehrere Kunden einzurichten, oder jedem eine eigene Installation machen?

Als ich ca. 2004 anfing, mich für CMS-Systeme aus der OS-Community zu interessieren, gab es nur zwei die nennenswerte Funktionen aufwiesen: Mambo (heute Joomla!) und TYPO3. Davor hatten wir nur CMS-Systeme aus eigener Entwicklung und nur für die Reisebranche in Verwendung.

Eine der Hauptkriterien, mich für das wesentlich umfangreichere TYPO3 zu entscheiden (obwohl die Installation damals ein echter Horror war), war die Tatsache, das ich auf einer TYPO3 Installation mehrere unabhängige Domains konfigurieren kann. Das war aus zwei Gründen wichtig: zum einen wollen Kunden mit mehreren Domains nicht unbedingt mehrere Logins haben auch wenn es unterschiedliche Websites sind, zum anderen habe ich eine Menge Kunden mit zumeisst sehr kleinen Homepages mit geringem Funktionsumfang, für die eine eigene CMS-Installation der Kanonenschuss auf Spatzen wäre.



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Pros und Contras der Gemeinschaftsinstallationen

Gemeinschaftsinstallationen für mehrere Kunden haben große Vorteile:

Jede Installation von TYPO3 benötigt Platz für die Kernkomponenten und die Basis-Templates. Packt man mehrere Domains in eine Installation, dann wird viel Platz gespart. Insbesondere bei kleinen Homepages (ein paar Seiten und ein Kontaktformular-Set) – ist es nicht selten so, daß die Grundinstallation von TYPO3 platzintensiver ist, als der gesmate Homepage-Content.

MySQL erleidet Performanc-Einbußen eher, wenn man viele Datenbanken und noch viel mehr Tabellen hat, als wenn man die gleiche Datenmenge in weniger Tabellen mit dafür umso mehr Zeilen hat. Bei heutiger Hardware macht sich das allerdings erst nach vielen Installationen bemerkbar – aber irgendwann kommt der Punkt, an dem der Datenbank-Server langsamer wird.

Apache kommt auch eher mit vielen Server-Aliasen klar als mit vielen Virtual Hosts. Aber auch hier merkt man das erst nach größerer Anzahl von Installationen.

MEMcache und ähnliche arbeiten besser, wenn diese auf den immer gleichen Script-pool zugreifen können, anstatt bei jedem Seitenzugriff andere PHP-Scripte zu laden.

Updates sind schneller gemacht, wenn ich mit einer TYPO-Aktualisierung gleich etliche Homepages auf einen neuen Softwarestand bringe. 

 
Gemeinschaftsinstallationen für mehrere Kunden haben große Nachteile:

Viele TYPO3-Extensions kollidieren – ich schränke mir also mit der Wahl einer Extension für einen Kunden auch die Auswahl für andere Kunden derselben installation ein.

Viele TYPO3-Extensions einer Installation machen diese langsamer, wenn mal also etliche Kunden mit etlichen Extensions in einer Installation hat, dann sollte man wissen, daß entsprechende Scripte auch dann abgearbeitet werden, wenn diese keinen Einfluß auf den auszuliefernden Content haben. Das lässt sich zwar durch die T3Templateengine steuern, aber gefühlt bleibt immer was zurück.

Ein Fehler hat gleich Auswirkungen auf etliche Homepages. Macht man also eine Installation “kaputt” (z.B. durch ein Extension-Update), dann sind davon gleich etliche Kunden betroffen.

MEMCache u.ä. kann man dadurch beeinflussen, indem man die Kernkomponenten nicht jedesmal einspielt, sondern per Symlink einen Scriptpool benutzt. Dazu braucht man allerdings Konsolenzugriff auf den Server. Bei der Arbeitsweise wird es sogar noch effektiver.

Es ist übersichtlicher und unkomplizierter in Handling, wenn jeder Kunde seine eigene Installation hat, was auch immer man für den Kunden an seinem TYPO3 macht, es betrifft nur ihn.



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Fazit:

Die Universal-Antwort gibt es nicht – wie so oft.

Im Grunde genommen muß man nach Kundenanforderung entscheiden, ob man zu diesem Zweck eine eigenen Installation braucht, oder nicht.

Ich persönlich betrachte bestimmte Extensions immer als KO-Kriterium für Multiinstallationen, da diese das Handling erheblich verkomplizieren, das sind TT_news (spätestens beim feed-export kanns zickig werden), die Index-Suche und inzwischen auch die verschiedenen Galerien (wegen der Kollisionsgefahr der Extensions).

Nach wie vor ist es allerdings oft genug so, das ein Kunde eine 10_Seiten-Homepage haben möchte, und das einzige interaktive ein Kontaktformular ist. Na dazu brauch ich keine eigene TYPO3-Installation.

Wer sich das alles durchgelesen hat, brauchte vermutlich Hilfe – ich hoffe, ich konnte Helfen!

Die Aussagen zu oben genannten Geschwindigkeits-Einbußen beruhen auf Erfahrung, nicht auf technisch nachweisbaren Hintergründen. Es ist die absolut subjektive Wahrnehmung des Autors und steht nicht zur Diskussion, genausowenig wie eine Haftung für Entscheidungen auf der Grundlage dieses Artikels.



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