Ab in die Wolke

VonChristian Rehkopf

Ab in die Wolke

Wir haben eine Entscheidung getroffen, die uns nicht leicht gefallen ist: Wir werden einen (großen) Teil unserer Hostingservices in eine Servercloud verlagern, die wir nicht selber betreiben.

Die Alternative wäre gewesen: massiver Ausbau der eigenen Hardware-Infrastruktur.
Was dies jedoch im Negativ-Fall bedeuted, haben wir in den letzten Wochen erfahren dürfen: mehrere nächtliche Sondereinsätze im Rechenzentrum um defekte Teile zu tauschen, und keine Komponente hat bei der Umschaltung auf die Redundanzsysteme problemlos funktioniert.
Dazu kommen permanente "Angriffe" auf alles was angreifbar ist, und immer öfter Notwendigkeiten zur Aktualisierung verschiedenster installierter Pakete.
Das wär alles kein Problem, wenn man das für ein etliche tausend Kunden macht, aber für ein paar hundert ist der Aufwand einfach zu groß – denn der Job ist der gleiche.
Unsere Kunden erwarten, daß die Services funktionieren. Es ist ihnen vollkommen egal (und kann es meiner Meinung nach auch sein), was für ein Aufwand dazu betrieben werden muß. So in etwa bekommen wir es am Telefon zu hören, wenn mal was nicht so lief, wie es sollte.
Dann haben wir in die Waagschale geworfen, was wir eigentlich schwerpunktmäßig machen – und das ist in letzter Zeit primär TYPO3 und/oder andere OS-Pakete nach Kundenwunsch anzupassen, zu hosten und zu betreuen. Dazu muss man keine eigenen Server mehr betreiben, denn das ist de-facto Standard.
Aus unseren Erfahrungen mit den eigenen Virtualisierungssystemen wissen wir allerdings die Vorteile der Lastenverteilung über Maschinen hinweg sehr zu schätzen: Wenn schönes Wetter ist, sind die Websites der Freizeitanbieter gefragt, vor Weihnachten die Shops, bei Sportevents die entsprechenden Informationsanbieter und so weiter. Und so wie Fußgängerströme lenkbar sind, ist es im Prinzip auch mit Internettraffic. Es weiß zwar niemand, wo der einzelne hingeht, aber die Masse ist kalkulierbar.
Und so ist es im Prinzip auch mit Serverclouds: man reserviert sich eine Bestimmte Performance, hat aber (technisch bedingt) sowohl die Chance auf mehr oder weniger – und je nachdem, was gerade am meisten gefragt ist, werden die Ressourcen des Gesamtsystems verteilt. Je größer so ein Gesamtsystem ist, desto besser funktioniert es.
Auf der anderen Seite ist man hierbei natürlich auch auf die Möglichkeiten beschränkt, die der entsprechende Anbieter zur Verfügung stellt – also hat man definitiv nicht die Flexibilität, die eigene Server bieten.
Und genau da ist der Knackpunkt: Denn wenn ich auf eigene Server doch nicht ganz verzichten kann, bleiben mir auch die Administrativen Aufgaben nicht erspart.
Naja – letztendlich waren die entscheidenden Faktoren dann wie immer das Geld und der Zeitdruck – es musste sofort etwas passieren, denn der Zuwachs an Bandbreitenbedarf und Serverlast ist in den letzten Monaten erheblich gestiegen, und wir waren so nah an den Kapazitätsgrenzen, das z.B. bei einer Radiowerbung eines unserer Kunden unsere Systeme ein paar Minuten unter Vollast waren – und wir haben keine Ahnung, ob evtl. einige Anfragen überhaupt nicht mehr beantwortet werden konnten.
Wir haben jetzt also die ersten Schritte gemacht, und einige leistungshungrige Websites und Datenbankanwendungen in eine Servercloud verschoben. Speedtests ergaben eine Zeitreduktion von 60 – 95 % (wirklich wahr – Faktor 20 schneller). Damit hatten wir nicht gerechnet.
Und: seit dem diese weg sind, haben auch unsere Server wieder richtig Druck und keine merkbare Latenz.
Inzwischen überleg ich, ob die Probleme, die wir in den letzten Monaten mit unserer Hardware hatten, vielleicht auch auf die Last zurückzuführen ist.
Wir werden sehen, wie sich die Dinge so entwickeln.

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Christian Rehkopf administrator