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27 Januar 2017
27 Januar 2017,
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Kaufmännisch und im Hinblick auf Zuverlässigkeit ist gebrauchte Hardware für eine professionelle Firewall durchaus eine Überlegung wert.

Werfen wir einen Blick auf den Kostenvergleich und dazu gebe einige Erfahrungen mit gebrauchter Hardware zum Besten.

Wer eine oder mehrere Filialen hat, und/oder in seinen Firmenräumen WLAN für Betriebsfremde oder Besucher anbieten möchte, kommt um eine gute Firewall nicht herum. Als wahres Universalgenie hat sich hier die pfSense herauskristallisiert, da es sich um eine skalierbare Lösung handelt, die nahezu jede Anforderung abdeckt. VPNs, Proxy, Antivirus, Certificates und derlei mehr sind mit pfSense konfigurierbar – je nach Hardware.

Die Software basiert auf FreeBSD und lässt sich auch auf PC-Hardware oder in Virtuellen Maschinen installieren. Da diese Systeme 24/7 in Betrieb sind, hat eigens für Firewalling/Routing abgestimmte Hardware durchaus ihre Berechtigung: diese braucht zumeist weniger Strom als vergleichbare PCs. Hauptsponsor und Lieferant der pfSense-Firewalls ist Netgate, ein Texanischer Anbieter ebensolcher, auf Routing und Firewall abgestimmter, Systeme. Aber die Amis lassen sich die Systeme auch ganz gut bezahlen, was immer wieder ein Grund ist, sich nach Alternativen umzusehen.

Probieren wir es aus:

gebrauchte Hardware WatchGuard Firebox mit pfSense Firewall für den professionellen Einsatz

WatchGuard Firebox: gebrauchte Hardware mit pfSense Firewall für den professionellen Einsatz

Für ein Projekt haben wir uns nun eine gebrauchte WatchGuard Firebox zugelegt, und da pfSense drauf installiert.

Das Gerät fanden wir gut, weil es 8 Gigabit-LAN-Anschlüsse an der Geräte-Vorderseite hat, und der Rest der technischen Daten war auch OK. Der Massenspeicher ist eine CompactFlash Card – im Original mit 256 MB – wir haben eine 4GB-Karte eingebaut, aber dazu später mehr. Das Gerät hat sogar einen Festplatten-Einschub, mit einem stärkeren Prozessor wäre sogar ein Proxy-Cache kein Problem.

Die Watchguard hat 8 Gigabit-Ports, von denen wir allerdings „nur“ 6 benötigen, vergleichbar wäre das mit der NetGate SG4860, von 19-Zoll Formfaktor und dem moderneren Prozessor mal abgesehen. Das werfen wir mit den 2 extra-Ports in die Waagschale, dann passt es wieder. Die NetGate liegt bei 800 $, also mit Versandkosten bei rund 800 Euro – das soll als Größenordnung reichen. Der Zoll möchte zwar 19% Mehrwertsteuer haben, aber das ist in einem Betrieb mit derartigem Bedarf irrelevant. In einem anderen Projekt haben wir die 19-Zoll Variante mit Extra-Disk eingesetzt, die schlug dann deutlich kräftiger zu Buche.

Dagegen bekommt man die Watchguard 1250e für knapp unter 400 Euro; es gehen auch mal welche für 200 raus, aber auch andere für 500. Die 400 Euro nehmen wir als kalkulatorische Größe.

Die Installation:

Um pfSense darauf zu installieren, benötigt man ein Nullmodemkabel, einen seriellen Port oder passenden USB-Adapter (siehe Bild), eine CF-Card mit 2 oder 4 GB, ein Lesegerät dafür als Werkzeuge, und das KnowHow und die Befähigung, damit auch umgehen zu können. Serielle Konsole und Diskimages sollten bekannt sein.

Allein die pfSense-Installation schreibt zwar knapp 60 Minuten auf die CF-Card, in der Zeit kann man aber die anderen Dinge Erledigen (BIOS Flashen etc) die zu tun sind. Nach der Grundinstallation muss man noch einige Anpassungen vornehmen, z.B. die Software für das LCD und die Kontrollampen installieren. Aufwand: ca. 2 Stunden – allerdings nicht beim ersten mal.

Wie das geht, teile ich am Ende des Artikels.

Die „Rechnung“

Sagen wir mal, als Installationspauschale 200 Euro, dann könnt man das als Service machen (hierbei ist allerdings die Garantie-Frage offen – speziall das BIOS-flashen ist nicht risikolos). Dann bleiben 25% reine Kosten-Ersparnis. Das Ergebnis zur neu gekauften Variante ist gut, hat aber: keine Garantie mehr, ältere Prozessoren (und damit bestimmt auch einen höheren Stromverbrauch), aber dafür 2 Ports mehr.

Benötigt man 8 Ports, hat man weniger die Wahl, bietet NetGate keine Variante mit mehr als 6 Ports an.

Bei kleineren Geräten (2- oder 4-Port) wäre der Aufwand der selbe, bei deutlich geringerem Spar-Potential. Also wenn überhaupt, lohnt es sich nur oberhalb der 4-Port-Grenze. Die Beschaffung der „Werkzeuge“ lohnt schon für eine einmalige Installation (rund 30 Eur).

Ein abschließendes Urteil kann man somit nicht fällen, kommt es doch immer auf die einzelne Situation an. Wer eine Entscheidung sucht, hat hier vielleicht ein paar Hilfen gefunden.

Erfahrung mit gebrauchter Hardware

Einen Rechner / Router / Switch etc., der 2 – 3 Jahre in einem Rechenzentrum gelaufen ist, und der jetzt aus dem Leasing heraus ist und dadurch auf dem Gebrauchtmarkt auftaucht, macht bestimmt keine Probleme. Eine gebrauchte Festplatte von ebay von privat ohne Gewährleistung hingegen, würde ich mir nicht mal ansehen.

Es gibt etliche Händler von gebrauchter Hardware, die genau die Komponenten aus dem ersten Beispiel mit Garantie anbieten.

Wir hatten auch gebrauchte Hardware im Einsatz, interessant sind dann (falls verfügbar) die Betriebsstatistiken. 26.000 Betriebsstunden bei 5 Einschaltvorgängen spricht für Rechenzentrums-umgebung – da kann man sich noch 5 Jahre drauf verlassen – das läuft. Mit derartigen „Kisten“ haben wir in den 15 Jahren Hardware-im-Rechenzentrum bessere Erfahrungen gemacht, als mit manchem Neugerät mit „Kinderkrankheiten“. Festplatten sind allerdings ein anderes Thema.

In unserem Fall sehe ich grundsätzlich zunächst kein Problem darin, eine Firewall als Gebrauchtgerät einzusetzen. Das von uns eingesetzt Gerät kam aus einem Universitäts-Rechenzentrum – also mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus einer klimatisierten Notstrom-versorgten Umgebung.


Links zu Seiten, auf denen steht wie man das macht

Wir sind vorgegangen nach:

https://www.hexhound.com/how-to-flash-pfsense-2-1-to-a-watchguard-firebox-x750e-x550e-ssl-500

Zusätzliche Treiber:

http://www.triebwerk23.de/joomla/index.php/firewalls/watchguard-firebox-x-core-e-x550e-x750e-x1250e-pfsense
Ab Punkt „D“.

Auf dieser Website findet man auch andere Beschreibungen zu pfSense-Installationen auf anderen Embedded-Systems.

 

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